Der Blick auf die Uhr ist für uns Menschen heute nichts als eine reflexhafte Geste, um zu ermitteln, seit wann oder wie lange etwas noch dauert. Um aber zu dem zu gelangen, was uns diese natürliche und spontane Geste erlaubt, bedurfte es vieler Jahrhunderte der Entdeckungen und Entwicklungen, Forschungen und Arbeit; einer Arbeit, die ins Dunkel der Geschichte gehüllt bleibt. Zustandegebracht wurde dies alles durch Tausende von Menschen, deren Namen wir nie erfahren werden, die aber alle eine Leidenschaft verband: die Zeit zu messen.
"Ich weiß sehr wohl, was die Zeit ist", sagte der heilige Augustinus, "aber wenn man mich danach fragte, wüsste ich es nicht zu erklären". Obwohl wir heute die Zeit mit Atomuhren messen, deren Fehlerrate nicht größer als einige Tausendstel Sekunden in 10 000 Jahren beträgt, behält sie ihren ganzen Zauber und ihr Geheimnis. Das ist es, was die vierte Dimension ausmacht: Wir sehen sie nicht, aber wenn wir es richtig bedenken, stellen wir fest, dass sie unser ganzes Leben bestimmt und das der gesamten Welt. Transport, Handel, Handwerk, Industrieproduktion, Unterricht, Freizeit, Sport, wissenschaftliche Forschung, Medizin: all dies wird festgelegt und in Beziehung gesetzt durch die Zeit, mithin durch die Uhr: die Uhr, die sich von den gewaltigen Laufwerken an Kirchen und Türmen herab bis zum elektronisch gesteuerten Miniaturzeitmesser in unseren alltäglich benutzten Geräten entwickelt hat.

Eine der wenigen noch original erhaltenen Uhren mit Waaghemmung. Von diesen Uhren sind nur noch sieben Exemplare in Museen und Sammlungen in Europa bekannt. Und unsere ist wohl eine der schönsten.

Nach einigen Versuchen einen Standort für die Sammlung und deren Ausstellung in Karlsruhe und Umgebung zu finden, sind wir seit fast fünf Jahren wieder auf dem Rittnerthof in Karlsruhe-Durlach gelandet. Hier hatten wir vor fast 20 Jahren den ersten Versuch gestartet, mit Hilfe der Stadt Karlsruhe in der alten denkmalgeschützten Hofscheune unsere Sammlung auszustellen, was damals aber nicht unterstützt wurde. Diese alte Hofscheune, deren Dach vor einigen Jahren zum Teil einstürzte, wurde von uns restauriert und ist schon "Unterschlupf" für einen Teil unserer Sammlung geworden. Die 400m2 im Erdgeschoss werden als Uhrenmuseum und großer Veranstaltungsraum des Vereins ausgebaut.
Hier finden kulturelle Veranstaltungen, Seminare wie Kräuterkurse, Zeichnen- und Malkurse, Coockings, Workshops, Schulungen, Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen etc., angepasst immer an die ruhige, erholsame Atmosphäre des Hofgutes. Mit der Uhrenausstellung vor Ort, einer Werkstatt, die auch Aufträge zur Restaurierung von Turmuhren und anderen Uhren annimmt und einem Imbisswagen mit Kaffe und Kuchen, Eintopf und anderen Leckereien haben wir unsere Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Es ist jetzt schon ein lohnendes Ausflugsziel in einer herrlichen Landschaft, die zusätzlich zu weiten Spaziergängen einlädt.
Es ist nach wie vor unser Anliegen, ein bisher unbekanntes Gebiet alter und neuer Technik in der Zeitmessung zeit- und kulturbegeisterten, und nicht nur technikbegeisterten Menschen zugänglich zu machen. So wie die Erfahrung auch mit unserer Wanderausstellung zeigte und zeigt, dass junge und alte Menschen, die sonst wenig Sinn für Technik haben, voll Ehrfurcht und Freude vor diesen großen Räderwerken der Zeitmaschinen standen und staunten - Kunstwerke nannten sie diese auch oder funktionale Skulpturen.
Bestehende Uhrenmuseen beschäftigen sich allgemein mit der Uhr, wobei immer der Schwerpunkt auf der privaten Uhr liegt, Uhren aus dem häuslichen Bereich, wie Standuhren, Kamin- und Wanduhren, Taschen und Armbanduhren. Einige in den letzten Jahren lobenswerterweise gegründete Turmuhrenmuseen spezialisieren sich auf Turm- und Gebäudeuhren, lassen aber auch einen ungewöhnlich spannenden Bereich der Anwendung von Zeitmessern in der Öffentlichkeit unberücksichtigt. Dieses ist nun die Herausforderung an uns gewesen, unsere Sammlung weiter aus- und aufzubauen. Um den Besuch in dieser Ausstellung zusätzlich zu einem Ereignis zu machen, verbinden wir diese mit einem zunächst kleinen gastronomischen Angebot zur Stärkung und Entspannung, was durch den Imbisswagen von Benny gegeben ist. In einer kleinen Uhrmacherwerkstatt können Besucher ihre antiken oder nur alten Erbstücke zur Revision oder Reparatur abgeben, in einer großen Werkstatt, in der die Museumsstücke unter den Augen der Besucher nur durch eine Glasscheibe getrennt aufgearbeitet werden, sollen in regelmäßigen Seminaren Restaurierungs- und Reparaturkurse für Uhren angeboten werden. Eine Verbindung unserer Ausstellung (als Kondensationspunkt) mit Kunst- und Musikveranstaltungen und anderen oben erwähnten Events hat nach sehr erfolgreichen Anfängen große Priorität für uns.
Ein Hauptanliegen in der Vision ist die Schaffung einer Begegnungsstätte zwischen und rund um die Uhren.
Am Rand des herrlichen Kraichgauer Hügellandes, an den Ausläufern des Schwarzwaldes, liegt der seit Jahrzehnten als Ausflugsziel der Karlsruher bekannte Turmberg und gibt eine herrliche Sicht auf die Rheinebene, die schon die Römer und Kelten genossen. Dahinter, etwas verborgen, der Rittnerthof, ein alter Gutshof mit nicht unbedeutender Historie. Wanderwege, per Rad oder zu Fuß, schaffen Verbindung zu den umliegenden Gemeinden und Außenvororten von Karlsruhe. Eine Bushaltestelle lässt noch 500 m Fußweg übrig. Die Autobahnnähe (A5 Ausfahrt Ka-Durlach oder Ka-Mitte; A 8 Ausfahrt Karlsbad) wird dieses Projekt für ein internationales Publikum, welches unsere Sammeltätigkeit und Vorbereitung für das Museum seit Jahren schon mit sehr starkem Interesse beobachtet, noch attraktiver machen. Und da zusätzlich mit dem Baden Airport ein naher Luftanschluss gegeben ist, sollten wir uns auf einen lebhaften und fröhlichen internationalen Treffpunkt gefasst machen.

